29.1.09

Unvergessen

Im Jahr 2011 wird die Ruperto Carola ihr 625-jähriges Jubiläum begehen: 625 Jahre Zukunft, 625 Jahre lebendiger Geist. "Dem lebendigen Geist" ist auch die Widmung über dem Eingang des Anfang der dreißiger Jahre mit Spenden aus Amerika errichteten Gebäudes der Neuen Universität. Diese Widmung hat sich die Universität zum Motto eines groß angelegten Vorhabens gemacht. Im Vordergrund steht kurz- und mittelfristig das Projekt der Renovierung des Gebäudeensembles der Neuen Universität und das Gewinnen von Spendern. (...) Für unsere Kampagne konnten wir Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl, Alumnus der Universität Heidelberg, als Schirmherrn gewinnen (Pressemitteilung).

Schön, daß sich wenigstens die Universität Heidelberg noch an die Lebensleistung von Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl erinnert ...
... das Sammeln von Spenden!

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21.1.09

Fromme Wünsche

Madeleine Albright verlangt viel vom neuen US-Präsidenten: Die Welt soll er retten und Amerika sowieso, entnimmt man ihrem offenen Brief an Obama, und nicht zuletzt muß er "jene traditionellen Werte, für die Amerika von jeher international respektiert wird, wieder stärken: Optimismus, Ausdauer, Gerechtigkeit und die Sehnsucht nach Frieden" (FR 21.01.2009:2). Vielleicht ist der internationale Respekt ein kleines bißchen geringer im Irak, in Vietnam, Kambodscha, Guatemala, Nicaragua, Chile und all den anderen Ländern, die in den letzten sechzig Jahren Bekanntschaft mit Amerikas Sehnsucht nach Frieden und Amerikas Gerechtigkeitssinn schließen durften, aber davon sagt Albright nichts. Ich bekomme kurz Angst bei dem Gedanken, daß die politische Klasse der USA ihr verlogenes salbungsvolles Geschwafel selber glaubt, aber Albrights Brief rückt das zum Glück gleich wieder gerade: "Ihre Botschaft an die Welt sollte sein, dass die USA willens sind, zuzuhören und zu lernen, wenngleich sie nicht zu handeln zögern, wenn es notwendig ist". Und das ist es eigentlich immer, wie Albright aus ihrer Zeit als Außenministerin sicher noch weiß. Notwendig war es zum Beispiel 1998, eine sudanesische Arzneimittelfabrik zu zerstören, um das Ansehen des angeschlagenen Präsidenten wieder aufzupolieren. Geschätzte zehntausende Tote in der Folge waren dafür sicher kein zu hoher Preis. Es waren ja keine Amerikaner, genausowenig wie die mindestens halbe Million irakischer Kinder, die um die Jahrtausendwende an den Folgen der von den USA durchgedrückten Sanktionen starben und deren Schicksal Albright mit den Worten kommentierte: "This is a very hard choice, but we think the price is worth it". Was den Frieden betrifft, bleibt es im Zweifel eben doch bei der Sehnsucht.

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17.12.08

Glückliche Auszeit

Auszeit

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1.12.08

Unter Wert

Sonderverkauf

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22.7.08

Von Fliegen und Menschen

Das ideale Haustier ist putzig, gibt Ruhe und versorgt sich selbst. Leider erfüllt weder unsere Clivie (kein Selbstversorger, zudem Einstufung als Haustier fraglich) noch das diverse Getier, das eine Wohnung mit Innenbalkon in Waldesnähe so mit sich bringt, sämtliche dieser Kriterien. Z.B. sind die Kellerasseln auf dem Balkon lobenswert ruhig, besorgen sich ihr Futter selbst und wollen auch nicht gegossen werden, haben aber starke Defizite, was die Putzigkeit betrifft. Seit einigen Jahren ist nun ein neues Haustier hinzugekommen, offenbar eine Art Fliege, obwohl sie wie eine Wespe aussieht: rötlich-braun, schlank, mit einer extremen Wespentaille und zwei verlängerten Beinen, die im Flug herabhängen. (Falls jemand den Namen dieses kleinen Tieres kennt: Ich wüßte ihn auch gern.) Putzig an ihr ist vor allem die Emsigkeit, mit der sie jeden Sommer an völlig abstrusen Stellen der Wohnung kleine Kokons aus selbstangerührtem Lehm für ihre Brut errichtet. Das Problem: Bei der Bautätigkeit erzeugt sie - wie und womit auch immer - ein absolut nervtötendes Geräusch, ähnlich einer Kreissäge und fast genauso laut. Überdies scheint sie vergeßlich zu sein, so daß sie manchen unter großem Krach errichteten Kokon halbfertig zurückläßt und sich Konstruktionsarbeiten an einer völlig anderen Stelle zuwendet. Nach zahlreichen Versuchen, das Tier zu vertreiben oder anderweitig zu demotivieren, lasse ich sie mittlerweile gewähren, so sehr sie auch nervt. Denn egal was man tut, sie kommt immer wieder zurück, völlig fixiert auf die Aufzucht ihrer Brut. Etwas anderes hat sie nie gelernt, ihr einziger Lebenszweck ist die Fortpflanzung: Neue kleine Fliegen erzeugen, die dann im nächsten Sommer an die Stätte ihrer Kindheit zurückkehren und kleine Kokons für die nächste Generation bauen. Und so weiter, bis in alle Ewigkeit. So steht's in den Genen, für viel mehr ist da kein Platz.

An dieses nette, wenn auch anstrengende kleine Tier fühle ich mich erinnert, wenn pünktlich jeden Sommer die Schwangeren aus ihren Löchern kommen. Dieses Jahr sind es so viele, daß sich bei Renate schon Assoziationen zur Alien-Invasion im Dorf der Verdammten einstellen. Aber auch ohne Aliens ist Schwangersein höchst trendgemäß. Und das nicht nur wegen Frau von der Leyen, die beschlossen hat, das deutsche Volk wieder zu stolzer alter Größe zu züchten. Nein, wir befinden uns im Zeitalter der Biologie, was bedeutet, daß es im Jahr Zweitausendundacht christlicher Zeitrechnung wieder en vogue ist anzunehmen, daß der Mensch genauso simpel funktioniert wie meine kleine Fliege: Gene, Fortpflanzung, vielleicht noch bißchen Revier verteidigen, fertig. Wer in den Humanwissenschaften versucht, alles mögliche Handeln und Verhalten heutiger Menschen darauf zurückzuführen, daß (angeblich) bereits in der Steinzeit bla bla bla, sagt sehr viel weniger über soziale Phänomene aus als über sein eigenes beschränktes Weltbild. Die Einfachheit solcher Erklärungen rührt nicht von Ockhams Rasiermesser her, sondern von der bestürzenden Phantasielosigkeit eines Mario Barth und all dieser langweiligen Comedians mit den ewiggleichen Geschlechterthemen: Männer so, Frauen so, immer so gewesen, Veränderung unmöglich.

Es scheint tatsächlich nötig zu sein, in Erinnerung zu rufen: Der Mensch ist kein reines Natur-, sondern in allererster Linie ein Kulturwesen. Männer sind größtenteils mit anderem beschäftigt als damit, ihren Samen überall zu verteilen. Die Zeiten, in denen der Mann auf die Jagd gegangen ist und die Frau das Herdfeuer bewacht hat, sind längst vorbei, sofern es sie jemals überhaupt gegeben hat und sie nicht nur das Produkt feuchter Träume von Reaktionären sind, die sich nichts anderes vorstellen können. Vielleicht habt ihr es nicht so ganz mitbekommen, aber seit der Steinzeit hat sich doch das eine oder andere getan. Zu den kulturellen Errungenschaften der Menschheit, die seither erfunden wurden, gehören unter anderem die Liebe, die Ächtung und Strafbarkeit von Vergewaltigung, die bezahlte Frauenerwerbstätigkeit und, ja, auch Verhütungsmittel. Niemand zwingt euch dazu, euch fortzupflanzen. Ihr habt noch andere Möglichkeiten als eine Fliege. Die Weltbevölkerung umfaßt bald sieben Milliarden Menschen, da machen eure Gene auch keinen großen Unterschied mehr. Es ist kein hinreichender Grund, etwas zu tun, nur weil es alle immer schon gemacht haben. Überlegt euch, ob ihr es verantworten könnt, einen weiteren Menschen all dem Schwachsinn auszusetzen, mit dem ihr euch selbst herumschlagen müßt. Wenn ihr euch nicht sicher seid: Laßt es. Wenn sich euch die Frage erst gar nicht stellt: Laßt es erst recht. Und laßt es ganz besonders dann, wenn ihr glaubt, ein Kind sei so eine Art Haustier. Das ist es nicht. Schon gar kein ideales. Ein Kind ist das Gegenteil eines Selbstversorgers, und über lange Phasen seiner Entwicklung ist es ausgesprochen laut und sieht nicht einmal besonders putzig aus. Wenn ihr Bedarf an einem weiteren Mitbewohner habt: Ich überlasse euch gerne einen Ableger. Die Clivie produziert sie in Massen. Sie weiß es nicht besser. Ihr aber habt die Wahl.

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12.7.08

Visionen

Besten Dank, Frankfurter Rundschau, daß ich mir heute schon zum Frühstück die Fressen von vier Leistungsträgern aus der Werbebranche anschauen muß. Und als ob das nicht schon genug zum Kotzen wäre, steht auch noch dabei, was die Herren zum Thema "Wie kommt die Marke SPD aus der Krise?" zu sagen haben (FR 12.07.2008:44/45). Dabei stammt der mit Abstand dämlichste Beitrag aus dem Hause Springer & Jacoby, was auch daran liegen mag, daß (gottlob) niemand von Jung von Matt gefragt worden ist. Andererseits hat nun wirklich niemand den Springer & Jacoby-Chef Öztürk gezwungen, Sätze wie diesen zu Protokoll zu geben: "Wir können momentan unglaublich viel von Amerika lernen." Muß man völlig verblödet sein, um ernsthaft zu glauben, irgendjemand könnte unglaublich viel von Amerika lernen? Oder genügt es schon, in der Werbebranche beschäftigt zu sein, wo man ohnehin sein Geld damit verdient, die Leute zu verarschen? Schwer zu sagen, denn es geht gleich noch dümmer weiter: "Zum Beispiel von Barack Obama, der einfach mit Change als Vision antritt. So eine Vision wäre für die SPD entscheidend." Change, okay. Aber was? Und wohin? Man mag von Obama halten, was man will, aber seine Wahlkampagne findet bis jetzt - abgesehen von der Schlammschlacht mit seiner innerparteilichen Konkurrentin, wovon wir unter Garantie unglaublich viel lernen können - ungefähr auf dem Niveau von "Wir können es schaffen" statt, damit es auch die letzte der Dumpfbacken, von denen er gewählt werden will, versteht. Fürwahr eine Vision.

Bei Öztürks Kollegen findet man unter all dem branchenüblichen sinnentleerten Geblubber ("Letztlich gilt es, Gefühle und Emotionen auszulösen"; "Ohne einen emotionalen Rückgriff auf ihre Wurzeln und ein passgenaues Storytelling sind zukünftige Erfolge der Sozialdemokraten bislang kaum denkbar") wenigstens noch einige Sätze, die sich tatsächlich mit den Inhalten der SPD bzw. - in der Diktion dieser Industrie - ihrem Markenkern beschäftigen. Detmar Karpinski von der Agentur KNSK, die zweimal Wahlkampf für die SPD gemacht hat, gibt zu bedenken: "Das Produkt ist entscheidend, Werbung kann nur Katalysator sein. Und beim Produkt hat die SPD momentan ein Problem, das für jeden sichtbar ist und das man mit Werbung nur schwer kaschieren kann". Bei Springer & Jacoby ist man dagegen weit entfernt davon, sich über solche Nebensächlichkeiten wie die Eigenschaften des zu vermarktenden Produkts irgendwelche Gedanken zu machen. Zu Inhaltlichem verlautet Öztürk nichts. Null. Nada. Stattdessen muß ein "charismatischer Führer" her, seit 1933 klares Erfolgsrezept in diesem Land. Also eher Steinmeier statt Beck, am besten aber jemand wie Obama - oder wie Steve Jobs, "ein sehr charismatischer Manager, der die Marke Apple lebt und sie emotional auflädt". Und wofür würde der dann wohl stehen, so in der SPD? Scheißegal, denn "die Partei muss einen Kanzlerkandidaten präsentieren, der glaubhaft vermittelt: Wir wollen gewinnen". Und das war's dann inhaltlich. Lernen von Amerika, wunderbar.

Mit "Produktinformation" hat moderne Werbung schon lange nichts mehr zu tun. Man kann aus der Werbung allerhand erfahren, wenn man nicht schnell genug umblättert respektive aufs Klo verschwindet, nur nichts über das beworbene Produkt. Ob das Getränk wirklich gut schmeckt, wie lange das elektronische Gerät hält, ob die Versicherung wirklich alles abdeckt - für Werbezwecke völlig irrelevant, sofern das Markenimage stimmt. Fröhliche Menschen beim Feiern für die Getränkewerbung, Klaviermusik und beruhigende Männerstimme für die Versicherungsreklame, der tausendste austauschbare Slogan dazu, und der Konsument wird's schon kaufen. Emotionen! Bloß keine Argumente! Hier liegt nicht der unwichtigste Grund dafür, daß die heutige Wirtschaft so pervers funktioniert, wie sie funktioniert. Rationale Kaufentscheidungen? Mündiger Konsument? Lieber wird in die Verblödung der Verbraucher investiert. Und das Ganze nennt sich dann "Kommunikation".

Nicht unbedingt ein Zufall, daß exakt Springer & Jacoby in diesem Bereich neue Maßstäbe in punkto Ekligkeit gesetzt hat. Vermutlich ein Teil der Unternehmensphilosophie. Bonaqua ist ein sogenanntes Tafelwasser, sprich: mit Kohlensäure versetztes Leitungswasser. In der Herstellung mit das Billigste, was man überhaupt produzieren kann. Nun bedeutet aber "Markenprodukt" schon sehr lange nicht mehr, daß man es mit einem qualitativ hochwertigen Produkt zu tun hat, sondern mit einer kostenintensiv aufgebauten Marke. Das Geld, das man bei der Produktion spart, fließt in die Werbung. Der Nutzen, den der Verbraucher aus dem Konsum ziehen soll, liegt nicht etwa in den Eigenschaften des Produkts begründet - wo kämen wir denn da hin! -, sondern in dem Gefühl, etwas Tolles zu konsumieren. Emotionen, wir erinnern uns? Im Fall Bonaqua heißt das: Wir brauchen einen finanzkräftigen Konzern, dem die Marke gehört: Coca-Cola, kein Problem - und eine Agentur wie Springer & Jacoby, der es vor nichts graust: Müller-Milch, Springers Welt, DaimlerChrysler, beste Referenzen. Und was kommt dabei als einziges armseliges Argument, Verzeihung, als unique selling proposition raus, Bonaqua zu trinken? Daß Johannes B. Kerner - von allen Menschen Johannes B. Kerner! - es auch trinkt. Ich korrigiere mich: Daß Johannes B. Kerner für viel Geld bereit ist, zu behaupten, er würde es auch trinken. Fertig ist die Marke. Oder mit den Worten von Oliver Schwall (keine Witze über Namen) von Springer & Jacoby: "In der Werbung spricht man dann von Opinion-Leadern, wenn die es schon tun, dann werde ich es auch tun. Das ist sicherlich einer der großen Effekte. Man kauft sich halt damit Glaubwürdigkeit und Aufmerksamkeit." Soviel zur Frage, wieviel "Glaubwürdigkeit" in der Werbebranche wert ist. Ein Gebrauchtwagenhändler verdient nur weniger. Und er hat mehr Anstand.

Das Schlimme: Es funktioniert. Es rechnet sich mehr, den letzten Müll aufwendig zu vermarkten, als ein brauchbares Produkt herzustellen. Die Implikationen für die Wirtschaft sind verheerend genug. Für die Politik heißt das: Wir können das bißchen Demokratie, das man uns zugesteht, komplett vergessen, wenn sich die Methode Kerner endgültig durchgesetzt hat. Und wir sind schon auf dem besten Weg dorthin. Personen statt Programme, Emotionen statt Aussagen, das Stimmvieh so simpel wie möglich ansprechen - genau das, was man für ein funktionierendes demokratisches System braucht. Das heißt, sofern man will, daß es so funktioniert wie in Amerika. Dazu braucht man nur eine gehörige Portion Zynismus. Und den haben Öztürk und Kollegen im Überfluß. Wir können es schaffen. Ihr werdet es schaffen.

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8.7.08

Haß

Wenn der Anrufer fragt: "Spreche ich mit Herrn David Fischer-Kerli?", folgt in der Regel nichts Gutes, sondern ein Verkaufsgespräch, im schlimmsten Fall von der Telekom. In diesen Momenten weiß ich nicht, was mich mehr ankotzt: der Brauch, die Leute zu Verkaufszwecken auch noch per Telefon zu belästigen, oder anhören zu müssen, wie mein Name zu Däiwid oder Deewid mutiert. Liebes Callcenter-Prekariat: Es mag ja sein, daß in euren Kreisen alle Kinder Kevin und Jennifer heißen. Dem Umstand, daß euer Bildunghorizont vermutlich nicht weit über David Odonkor hinausreicht, gilt mein vollstes Mitgefühl. Genauso traurig finde ich es, daß ihr aufgrund der hirnlosen amerikanischen Fernsehserien, mit denen ihr eure trostlose Freizeit ausfüllt, oder aufgrund der trendigen pseudo-englischen Firmennamen und Werbeslogans, mit denen ihr es in dem, was ihr Leben nennt, so zu tun habt, den Eindruck gewinnen müßt, als lebten wir alle bereits in einer Art USA. Aber warum zum Geier ruft ihr alle mich an, wenn ihr nicht mal wißt, wie ich heiße?

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7.7.08

Erlebnis Werbung

"Haben Sie gefunden, was Sie suchen?", fragt mich Amazon.de sehr aufmerksam. Nein, habe ich nicht, ich suche nämlich immer noch meine verschlampte "Reflections of Bach"-CD von Jacques Loussier. Amazon konnte mir wenigstens sagen, was eigentlich für Stücke auf der CD wären, läßt es dabei aber leider nicht bewenden, sondern gibt mir am Ende der Seite noch einen "gesponserten Link" mit auf den Weg: Das Palmolive Erlebnis - Entfliehen Sie mit Palmolive dem Hier und Jetzt - Momente der Ruhe. Wie kommt Amazon von der Suche nach "Reflections Bach" auf Seife? Gibt es einen inneren Zusammenhang zwischen klassischer Musik und Hygiene, der sich nur Marketingfachleuten erschließt?

Vor vielen Jahren gab es eine Fernsehwerbung für den "Weißen Riesen", in der Aufnahmen einer unglaublich langen Wäscheleine mit der Morgenstimmung aus Griegs Peer-Gynt-Suite untermalt wurden. Seit dieser Zeit kann ich das Stück nicht mehr hören, ohne an Waschmittel zu denken. Genau das ist einer der vielen Gründe, warum ich (wie mehrfach erwähnt) Werbung so hasse - mal ganz abgesehen von der Verstümmelung der Sprache durch Marketinglyrik und Deppenleerzeichen: Palmolive Erlebnis - wieviel blöder geht es noch?

Der Effekt, daß der Konsument ein wunderschönes Stück klassischer Musik bis an sein Lebensende mit einem Waschmittel assoziiert, ist ja kein Kollateralschaden des Marketings, sondern exakt das, worauf moderne Werbemethoden abzielen. Und es ist nicht nur die Musik. Was auch immer benutzt werden kann, um irgendwelchen Schwachsinn zu verkaufen, wird benutzt, ganz egal, auf welchem kulturellen Erbe man gerade herumtrampelt. Oder erinnert sich noch irgendwer an den ursprünglichen Sinn von Weihnachten? Ein bemerkenswerter Tiefpunkt war erreicht, als Martin Luther Kings "I have a dream" seinerzeit für die aggressive Kampagne des Mobilfunkanbieters Quam herhalten mußte. Quam ist mit Pauken und Trompeten untergegangen. Die Einstellung ist geblieben. Was auch immer die Leute hören, was auch immer sie sagen, was auch immer sie denken - es muß gefälligst mit Produkten zu tun haben.

Und wie weit geht Amazon? Dieser Frage bin ich mit dem Godwin-Test nachgegangen. Der Suchbegriff "Holocaust" ergibt neben tausenden Artikelempfehlungen tatsächlich auch einen gesponserten Link, immerhin von Arte. Nur bei "Hitler" - keine Werbung? Vermutlich nur eine Frage der Zeit. An Anstand will ich nicht so recht glauben.

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5.7.08

Kundenbindung from hell

Ich hasse Werbung. Ich hasse es allerdings noch mehr, von Werbung angerufen zu werden. Ganz unbeschreiblich hasse ich es, von Werbeanrufen geweckt zu werden. Aber mein Haß kennt keine Grenzen mehr, wenn das Unternehmen, "in dessen Auftrag" mich der Werbeanruf weckt, spätestens seit Mai 2007 in seinem System festgehalten hat, DASS ICH KEINE WERBUNG UND KEINE TELEFONKONTAKTE WÜNSCHE. Ein sehr eigenwilliges Verständnis von "Kundenbindung", das die Deutsche Telekom da offenbart. Denn genau darum ginge es, so die Mitarbeiterin bei meinem Beschwerdeanruf, meinen Einwurf ignorierend, daß es wohl kaum Ziel der Kundenbindung sein könne, daß der Kunde das Unternehmen zum Teufel wünscht. Am bemerkenswertesten fand ich jedoch ihre Aussage in diesem Zusammenhang: "Die Telekom beobachtet ihre Kunden sehr genau". Ja, davon habe ich auch schon gehört.

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30.6.08

Wer ein Trio vorne hat ...

... wie Ronaldo, Ronaldinho und die anderen Brasilianer, Carlo ... Roberto Carlos, das ist, das ist, Rivaldo dazu noch, Rivaldo! ... Rivaldo und Ronaldinho und Ronaldo. Also das dann verloren zu haben, das ist zwar bitter, aber nicht so bitter.

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